Ein Arterhaltungsgarten entsteht
Dass der Naturpark Attersee-Traunsee reich ist an seltenen Urzwetschkenarten ist bereits über die Grenzen des Naturparks hinaus bekannt. Diesen bedrohten Arten wurde mit der Dauerausstellung „Auf dem Laufsteg ins Zwetschkenreich“ bereits erhöhte Aufmerksamkeit zuteil.
Was dem Projekt jedoch noch fehlte, war ein eigener Arterhaltungsgarten, der diese fast vergessenen Arten wieder aufblühen lässt und es dem Besucher des Zwetschkenreichs möglich macht, die Pflanzen hautnah kennen zu lernen.
Das laufende Projekt – von der Grundstückssuche bis zum Eröffnungsfest
Ein wunderbares Projekt bei dem sich laufend einiges tut. Du kannst hier verfolgen, welche Entwicklungsschritte der Arterhaltungsgarten macht, wie die Freiwilligen Hand anlegen in dieses einzigartige Naturparkprojekt und nach und nach ein sehenswerter Lehrgarten entsteht.

Sieger beim #streuobst-Award
Siegerprojekt beim Streuobst-Award 2023 – ein Arterhaltungsgarten entsteht!
Bei der Planung des Arterhaltungsgartens ist der #streuobst-Award (ein von der Stiftung „Blühendes Österreich“ initiierter Award) gerade zur rechten Zeit gekommen. Diese Aktion wurde zum Anlass genommen, die Entstehung eines „Zwetschken-Lernraumes“ zu verwirklichen.
Umso größer war die Freunde, dass die Einreichung „den Urzwetschken wirder Heimat geben“ zu einem von 13 preisgekrönten Projekten gekürt wurde. Die Juroren fanden es auszeichnungswürdig, dass mit der Entstehung des Arterhaltungsgartens das Vorkommen von Bidling, Echte Krieche, Punze, Pemse, Rotzwetschke, Spilling, Ziparte und Zwispitz gesichert wird und zugleich eine Vermehrung stattfindet. Im Austausch mit Funden aus anderen Regionen soll außerdem die genetische Vielfalt erhöht werden. Ein Erhaltungs-, Schau- und Lehrgarten für Schulprojekte, Weiterbildungsmaßnahmen, Naturvermittlungsangebote und Touren für Interessierte entsteht.

Neue Heimat Weyregg
In der Naturparkgemeinde Weyregg konnte für den Arterhaltungsgarten ein geeignetes Grundstück gepachtet werden, auf dem in früheren Zeiten bereits eine Streuobstwiese bestand. Die an alte Traditionen anschließende zweimalige Mahd der Grünfläche in diesem Jahr schaffen ein optimales Wiesenkleinklima, Blütensamen können reifen und zum Weiterbestand beitragen.
Erste Pflanzenbestandsaufnahmen der bestehenden Grünfläche ergaben erfreulicherweise eine Vielfalt an Gräsern und Wildkräutern, dank extensiver Bewirtschaftung seit mehreren Jahren. Zu ebener Erde ist ein wunderbarer Lebensraum für Bodenlebewesen und tierische Bewohner vorhanden, die unentbehrlich für die Bodenaufbereitung und Bestäubung sind. Ziel ist es, eine Krautschicht und Magerwiese in ihrer unvergleichlichen Vielfalt aufzubauen. Die seltene Kuckuckslichtnelke, die Zwiebeltragende Zahnwurz, an feuchten Stellen Echtes Mädesüß und Feldhainsimse finden sich neben Gundelrebe, Spitzwegerich, Sternmiere, Hirtentäschel noch weitere Wildkräuter und wichtige Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen.
Totholzvorkommen bieten Lebensräume und Kleinbiotope für Insekten und Käfer, Lebensräume für Schmetterlinge. Kleingetier auch als Nahrung für Vögel, Igel und Fledermäuse können sich in pestizidfreien Wie-sen ansiedeln. Ein Hort der Artenvielfalt auf allen Ebenen.
Wir freuen uns auf ein althergebrachtes Landschaftselement und ein ökologisch wertvolles artenreiches Biotop als Oase der zwetschkenreichen Streuobstkultur mitten in der Naturparkgemeinde Weyregg.

Gut gedengelt ist halb gemäht
Bei einem Workshop im Juni 24 konnten die sieben Teilnehmer:innen dieses exklusiven Kurses unter fachkundiger Anleitung von Josef Wieser das traditionelle Dengeln der Sensen erlernen und im Anschluss mit scharfgewetzter Klinge das fachgerechte Mähen mit der Sense auf den Flächen des Arterhaltungsgartens üben.

Es geht ans Mähen
Nach der ersten vollständigen Mahd der Fläche durch unser Vereinsmitglied Bernhard Gangl wurden Ende Juli im Rahmen einer kleinen Umweltbaustelle die Feinarbeiten erledigt. Mit Sense und Motormäher wurden die bestehenden Streuobstbäume ausgemäht und die Grundgrenzen gesäubert.
Im Oktober erfolgte die zweite Mahd der Saison. Danach wurden die zukünftigen Plätze der unterschiedlichen Urzwetschken ausgesteckt und der Weg markiert, der durch den Arterhaltungsgarten führen wird. Parallel dazu liefen diverse Bürotätigkeiten wir Planung, Ausschreibungen, Telefonate zur Organisation des Wegebaus.

Der Wegebau
Ende November 2024 wurde der Wegebau in Angriff genommen. Nach Planung und Ausschreibung der Gewerke wurde im Spätherbst ein Rundweg durch den Erhaltungsgarten angelegt. Hierbei wurde auf schonende Bodenbearbeitung/Vermeidung von Bodenverdichtung Wert gelegt. Der Weg ist etwa 1,20 m breit, weist eine Länge von etwa 130 lfm und ist mit wassergebundener Decke ausgeführt. Der Wegebau wurde durch das Unternehmen Alfons Renner aus Weyregg fachgerecht ausgeführt.

Der Pflanzung
Die Pflanzung der 30 Stück Jungbäume wurde nach Fertigstellung des Rundweges im Zuge einer Umweltbaustelle im späten Herbst in Angriff genommen. Die Witterung und die milden Temperaturen ließen die späte Pflanzung zu. Dazu wurden noch Pflanzpflöcke eingeschlagen und ein Einzelbaumschutz (Verbissschutz) angebracht und die Pflanzungen gut eingewässert. Aktuell wachsen Rotzwetschken (aus 5 verschiedenen Herkünften), Punzen (2 versch. Herkünfte), Echte Kriechen (5 versch. Herkünfte), Spillinge (2 versch. Herkünfte), Pemsen (2 versch. Herkünfte), Bidlinge (4 versch. Herkünfte) und Zwispitze aus einer Herkunft heran.

Was tun mit dem Schnittgut
Nach einer Begehung mit dem Grundbesitzer und dem Grundstücksnachbarn wurde vereinbart, dass die Anlage eine Benjeshecke (Totholzhecke) mehrere positive Effekte mit sich bringt. Zum einen wird der Erhaltungsgarten zum Nachbarn hin abgegrenzt, dazu ermöglicht es auch die kurzwegige und ökologische Weiternutzung vom Schnittmaterial aus der Hainbuchenhecke im Norden und den Altbäumen und schafft überdies weitere Lebens-, Nist- und Versteckräume für viele Vogel- und Kleinsäugerarten. Im Abstand von 3 Metern wurden dazwischen heimische Sträucher wie Haselnuss, Pfaffenhütchen, Schneeball, Heckenrose, Hartriegel und Schlehe gepflanzt.

... die halbe Miete
Im Februar 2025 fand unser jährlicher ganztägiger Obstbaumschnittkurs (vormittags Theorie, nachmittags Praxis) erstmals in Weyregg bzw. im Arterhaltungsgarten statt. Dabei erlernten die rund 20 Teilnehmer:innen den fachgerechten Pflanz-, Aufbau-, Erhaltungs- und Verjüngungs-schnitt. Dazu wurden die bestehenden Altbäume (v. a. Äpfel- und Birnbäume) fachgerecht ausgelichtet bzw. verjüngt. Das Schnittmaterial wurde in der Benjeshecke aufgeschichtet.

... in der Streuobstwiese
Workshop – Altbaumpflege in der Streuobstwiese
Weyregg, 12.11.2025
Von bester, herbstlicher Seite zeigte sich der Arterhaltungsgarten für Primitivpflaumen in Weyregg am Attersee am Mittwoch, 12.11.2025 beim Workshop für die Pflege von Altbaumbeständen mit Heimo Strebl.
Neben allgemeinen Informationen zur Notwendigkeit regelmäßiger Obstbaumpflege für die Bäume und das Ökosystem Streuobstwiese gab der Vortragende einen guten Überblick über nützliches und sinnvolles Werkzeug und den richtigen Umgang mit diesem. Ein alter Birnbaum und ein großer, erhabener Zwetschkenbaum wurden gemeinsam und systematsich verjüngt. So entfernten man morsche und sich überkreuzende Äste, brachte die Kronen
in Form und Licht ins Innere der Krone und bestimmte Zukunftsstämme.
Das Schnittgut wurde gemeinsam in der Benjeshecke (oder Totholzhecke) untergebracht, welche sich seit der Anlage im letzten Winter nach und nach immer mehr in einen ökologischen und nachhaltigen Lebensraum verwandelt.



























